Blockunterricht

Michaela Reisel

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Von Peter Dobcak

Während im restlichen Österreich die Ausbildung der Lehrlinge in den Berufsschulen als sogenannter Blockunterricht über mehrere Wochen zusammenfasst wird, besuchen Lehrlinge in Wien die Berufsschule tageweise. Dies ist auch nachvollziehbar, denn es ist den Lehrlingen aus den ländlichen Betrieben nicht zumutbar wöchentlich eine oftmals stundenlange Anreise zur Berufsschule auf sich zu nehmen. Dies würde auch zu viel Zeit kosten.

In Wien stellt sich die Situation durch die geografische Nähe anders dar. Der Gedanke ist, die Lehrlinge nicht über viele Wochen aus den Betrieben zu nehmen, sondern nur einen fixen Tag in der Woche.

Die Bundesregierung hat auf die berechtigte Kritik der Betriebe reagiert und ist bemüht, die Qualität der Lehrlingsausbildung zu steigern. Eine Maßnahme ist die Stundenerhöhung der Berufsschulzeit von derzeit 1080 Stunden auf 1260 Stunden ab dem Schuljahr 2018/19. Dies bedeutet allerdings, dass sich der Schulbesuch auf 2 Tage in der Woche ausdehnen würde.

Bei 2 freien Tagen pro Woche plus 2 Tagen in der Schule wären die Lehrlinge allerdings nur mehr 3 Tage pro Woche im Betrieb. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf die Qualität der fachlichen aber auch pädagogischen Ausbildung.

Somit wurde in mehreren sehr kollegial geführten Gesprächsrunden mit den betroffenen Berufsschulen, dem Stadtschulrat, der Gewerkschaft, der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Wien und uns, als Unternehmervertreter, die Einführung des Blockunterrichts auch in Wien beschlossen.

Das Ergebnis im Detail zeigt folgenden Fahrplan der Umstellung:

Die Umstellung auf Blockunterricht für die 1. und 2. Schulstufe beginnt mit dem Schuljahr 2018/2019 unter Beibehaltung des wöchentlichen Tagesunterrichts für die 3. Schulstufe. Es besteht die Möglichkeit, wahlweise schon vorzeitig auch für die 3. Schulstufe den Blockunterricht zu wählen.

In der Berufsschule für Gastgewerbe wird es in der 1. Schulstufe jeweils einen sechswöchigen Unterrichtsblock pro Semester geben, in der 2. und 3. Schulstufe zweimal einen fünfwöchigen Block. Für die Vorweihnachtszeit (Ende November/Dezember) sollen vorzugsweise die 1. Schulstufe bzw. die Lehrlinge aus überbetrieblichen Maßnahmen für den Block eingeteilt werden.

Die Einteilung der Schulwochen erfolgt nach dem „First come, first serve“ Prinzip. Je eher der Lehrherr den Lehrling anmeldet, umso größer ist die Auswahl der verfügbaren Wochen.

Auch wenn die Einführung des Blockunterrichts für die Betriebe eine große Umstellung bedeutet, erwarten wir uns dadurch eine merkliche Verbesserung der Qualität der Ausbildung. Über die Dauer von 5 bzw. 6 Wochen pro Semester, ist die Wissensvermittlung nachhaltiger als bei einem Tag pro Woche. Es kann wesentlich intensiver auf die Entwicklungsfelder der einzelnen Schüler eingegangen werden. Neben möglichen Zusatzausbildungen wird ein neuer Teil der Ausbildung die Vermittlung von interkultureller Kompetenz sein. Diese Kompetenz soll nicht nur den Umgang mit dem ausländischen Gast erleichtern, sondern auch innerhalb der Lehrlinge, aus unterschiedlichsten Kulturkreisen stammend, zu besserem Verständnis und erfolgreicher Integration führen.

Ich hoffe, unsere Lehrbetriebe erkennen die Chance und tragen diese Neuerung positiv mit. Es gilt in gemeinsamer Anstrengung die Zukunft unserer Branche abzusichern. Die Einstellung von Lehrlingen ist ein Bekenntnis diese Verantwortung übernehmen zu wollen. Dafür danke ich persönlich und als Interessenvertreter sehr herzlich.

Euer

Peter Dobcak