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HEUER am Karlsplatz

(c) Michaela Reisel

Aus der Kategorie: Warum war ich da eigentlich noch nicht? Linkerhand befindet sich das Restaurant, rechts die Bar. Ich biege erstmal nach links ab. Hätte ich keinen Tisch reserviert, könnte ich gleich wieder umdrehen. Spricht schon einmal für das Lokal. Es ist laut, aber nicht ungut. Vielmehr könnte man es beschreiben als geselliges Beisammensein nach Feierabend. Viele kleine Lampen sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Gemütlich und schick! Von Jung bis Alt scheinen alle Altersgruppen vertreten. Erster Eindruck: Zum Wohlfühlen! Blickfang ist eine ganze Wand voller Regale mit Einmachgläsern. Gemüse, Salzzitronen, Sirupe, Säfte, man kann sich gar nicht sattsehen an den bunten Schätzen. Macht Einiges her und mich neugierig.

Das HEUER am Karlsplatz gibt es seit vier Jahren, von Anfang an mit Fokus auf der zeitgenössischen Interpretation traditioneller Qualitäten. Allein die Vorspeisen lesen sich köstlich: „Regionale Oliven“ im Fidoglas (selbsteingelegte Dirndln mit Lehmofenflade, die ebenfalls selbstgemacht ist und an der Wand des 400 Grad heißen Tandoori-Ofen frisch gebacken wird) oder Creme vom österreichischen Blaukultur Brie mit Marillen-Chutney, Puffreis und sardischem Brot. Leider ist der Hunger nicht so groß, sodass ich Vor-, Haupt- und Nachspeise stemmen könnte. Also gleich weiter zu den Hauptgerichten. Auf der Karte finden sich österreichische Forellenfilets vom Grill (Naturteichwirtschaft Radlberg), geschmorte Rindsbackerl oder Burger mit Rindfleisch vom Hödl, Cheddar und Köstlichkeiten wie selbstgemachter roter Zwiebelmarmelade. Um wieder verstärkt dem ursprünglichen Konzept nachzukommen und Heimischem von vergleichbarer Qualität den Vorzug zu geben, wurde der Proscuitto von der Karte genommen und mit Vorarlberger Schinkenspeck ersetzt. Klar, nicht alles ist regional. Aber darum geht’s ja nicht primär. Die Produkte sollen einfach gut sein. So, und jetzt genug mit dem Studieren der Speisekarte, los geht’s mit dem Genuss.

Wiener Backhenderl und lauwarmer Schokokuchen

Mein Tisch ist an der Glasfront, ich schaue hinaus auf die Terrasse, wo bei wärmeren Temperaturen bis zu 250 Personen Platz finden. Ich bestelle ein Wiener Backhenderl. Laut Kellner habe man eines der besten Backhenderln der Stadt. Es ist vom steirischen Freilandhuhn, man bekommt das ausgelöste Haxl und – was mich sehr freut – Leber. Dazu frittierte Petersilie (die ist großartig!), Erdäpfelsalat und Zitrone. Dazu soll es ein Riesling sein. Gerne nehme ich den vom Kellner empfohlenen Gaisberg, Kamptal DAC Reserve 2015, Schloss Gobelsberg. Der passt hervorragend zum Henderl. Das Fleisch ist saftig, die Panade knusprig, ein Traum. Das Gericht hat Tradition in Wien und hier macht man ihm alle Ehre!

Neben dem Wein mag ich auch noch etwas Antialkoholisches trinken. Da kommt man im HEUER nicht am sogenannten Shrub vorbei. Das ist eine hausgemachte Limonade auf Essig-Basis (Essig von Gegenbauer), die komplett ohne Zusatzstoffe auskommt. Ihren Ursprung hat sie im arabischen Raum, HEUER brachte den Trend nach Wien. Ich koste zwei Shrubs, einen mit Erdbeere, den anderen mit Zitrone. Erfrischend sind sie beide, aber mein Favorit ist der mit Zitrone. Die Säure und der intensive Geschmack nach Zitrus taugen mir.

Zur Nachspeise ein ofenwarmer Schokokuchen mit Birnen. Der kommt mit einer Kugel Sauerrahm-Molkeeis. Das Eis schmilzt auf dem Kuchen, herrlich! Dazu ein Mokka.

Ein Cocktail so besonders wie sein Namensgeber

Zum Abschluss dürfen die Cocktails des Hauses nicht unerwähnt bleiben. Chef hinter der Bar ist Bert Jachmann. Cocktailliebhabern ist er spätestens seit seiner Auszeichnung als Bartender des Jahres im Falstaff Bar & Spiritsguide 2017 ein Begriff. Jachmann kam vor einigen Jahren nach Wien, um Journalist zu werden. Aber wie das Leben so spielt, nahmen die Liebe und Passion zum Cocktailmixen Überhand. Nach Stationen im Motto am Fluss, Fabios oder Volksgarten leitet er nun die Bar im HEUER.

Standard-Cocktails stehen gar nicht auf der Karte. Wer einen „All-time-Favorite“ haben möchte, bekommt diesen natürlich. Aber um keine telefonbuchlange Litanei an Mixgetränken aufzulisten, liegt der Fokus auf dem Außergewöhnlichen. Zurecht ist man im HEUER stolz auf die Kreationen. Jachmann experimentiert gerne mit selbst Angesetztem und Eingelegtem. Tomaten und Banane mag auf den ersten oder auch zweiten Blick nicht zusammenpassen, denken Sie? Dachte ich auch! Bis ich den Cocktail mit dem klingenden Namen „Warhol Daiquiri“ probiert habe. Der beinhaltet Gosling’s Black Seal Rum (Bananen Sous Vide), Cherry Tomaten, Limette, Angostura Bitters und Zucker und schmeckt im ersten Moment ungewöhnlich, dann einfach grandios. Muss man probieren! Wirklich wahr, das passt!

Im Auge behalten sollte man die Veranstaltung Cooks in Residence, bei der Küchenchef Peter Fallnbügl zweimal jährlich mit einem internationalen Koch gemeinsame Sache macht und für kurze Zeit ein spezielles mehrgängiges Dinner anbietet. Wer sich dafür interessiert, immer mal wieder auf der HEUER-Website vorbeischauen, da werden rechtzeitig Infos bekanntgegeben.

Fazit: Schade, dass der Hunger nicht groß genug war, um auch noch eine der Vorspeisen zu probieren. Hole ich nach. Das Backhenderl und auch den Schokokuchen mit dem genialen Sauerrahm-Molkeeis drüber kann ich aber sowas von weiterempfehlen. Wer das HEUER nicht glücklich verlässt, macht definitiv was falsch!

 

HEUER am Karlsplatz

Treitlstr. 2, 1040 Wien

http://www.heuer-amkarlsplatz.com/

 

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