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Bist du deppert!

(c) iStock IrinaSen

Von Peter Dobcak

Schon mal was von der TV-Sendung „Bist Du deppert!“ auf Puls 4 gehört? Eine locker gehaltene Sendung mit einem Moderator und 4 aus den Seitenblicken bekannten Proponenten, die möglicher Verschwendung von Steuergeldern auf der Spur sind. Es war nur eine Frage der Zeit ,bis das Redaktionsteam das heiße Thema „Nutzung des öffentlichen Grundes“ und damit die Gastronomie entdeckt hat. Bereits im November 2016 wurde in einer Folge die für Gastronomen vermeintlich günstigen Mieten von öffentlichem Grund behandelt. Basis dafür war ein Rechnungshofbericht.

Scheinbar war die derzeit laufende Diskussion um eine bevorstehende Ausschreibung von Grundstücken am Donaukanal zur gastronomischen Nutzung Anlass, die Folge vom November 2016 zu wiederholen. Vorsichtshalber gleich mal mit den selben Tarifen wie damals. Wenn auch nicht explizit ausgesprochen, wird darin den betroffenen Gastronomen unterschwellig Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit unterstellt. Der Rechnungshof spricht von einem Einnahmenentgang für die Stadt von mehr als 3,5 Mio. Euro.

Keusch verschwiegen wird, dass es im letzten Jahr die heftigste Gebührenerhöhung für Schanigärten aller Zeiten gegeben hat. Unter anderen wurde durch eine völlig willkürliche Zonenänderung die Gebühr pro m2 und Monat in der Prater- und Taborstraße um 1000% (!!!) von € 1,— auf € 10,— hinaufgeschnalzt. Verkleinerungen der Schanigärten und fallweise Entlassungen von Personal waren die Folge.

Dass der öffentliche Grund nicht gratis zur Verfügung gestellt wird, ist nachvollziehbar. Was die lauten Kritiker dieser Nutzung offensichtlich noch immer nicht verstanden haben, ist die Tatsache, dass ein Gastronomiebetrieb ohne Schanigarten in der warmen Jahreszeit auf Dauer nicht überleben kann. Die Menschen wollen im Freien sitzen. Somit verlagert sich das Geschäft von drinnen nach draußen. Es ist kein Zusatzgeschäft, wie manche Vertreter der Bezirke und Teile der Stadtregierung gerne behaupten!

Die Älteren unter uns werden sich noch gut daran erinnern, wie mausetot die Innenstadt in den 80er Jahren war. Der damalige Bürgermeister Zilk hat uns Gastronomen beschworen mit Schanigärten und kreativen Veranstaltungen die Innenstadt aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Um das unternehmerische Risiko tragbar zu machen, wurde uns damals der öffentliche Grund – zugegeben – sehr billig angeboten. Die Rechnung ist aufgegangen. Die Innenstadt boomt, das Geschäft floriert, Einheimische und Touristen kommen in Scharen, ca. 250.000 Menschen pro Tag. Dieser Erfolg war mit der Auslöser für die rasante Wertsteigerung der Immobilien, nicht nur im 1. Bezirk, sondern aus ähnlichem Anlass auch in Neubau, Mariahilf, der Josefstadt und anderen Bezirken.

Wie viele Jahre war der Donaukanal verlassen, öde, eigentlich tot? Wiederum war es die Gastronomie, die sich auf Drängen der Stadtregierung dort angesiedelt und den Bereich Donaukanal zu einem Hotspot in Wien gemacht hat. Vorreiter waren unter anderen die Kollegen von Hermann’s Strandbar, Badeschiff und Adria.

Jetzt, wo das Geschäft floriert, die Gäste dank der Unternehmer und Unternehmerinnen kommen, schreien die talentierten Bezirksvertreter plötzlich: „Zuviel, schränkt Euch ein, wir wollen keine Gastronomie mehr, es ist viel zu laut – und außerdem viel zu billig für Euch!!“. Ist das fair?

Konzepte gehören im Laufe der Zeit angepasst und neu überdacht, keine Frage. Doch eines muss klar sein, es waren wir, die kleinen Gastronomen, die das Risiko auf sich genommen haben neue Wege zu gehen. Es sich als Grundstückserhalter mit Sanktus der Stadtregierung jetzt einfach zu machen und die erwähnte Ausschreibung so zu gestalten, dass nur mehr Großinvestoren zum Zug kommen und den fertigen Kuchen für viele Jahre untereinander aufzuteilen, halte ich, gelinde gesagt, für eine Sauerei. Als Interessenvertreter werde ich jede Möglichkeit nutzen das zu verhindern.

Euer

Peter Dobcak

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