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Blue Mustard – der Name ist Programm

Die Gegend direkt rund um den Stephansplatz ziehen vermutlich ganz viele Wiener nicht zum Dinieren in Betracht. Schade eigentlich. Immerhin hat die innerste Innenstadt viel mehr als nur teure Läden zum Einkaufen und opulenteste Weihnachtsbeleuchtung zu bieten, vor allem kulinarisch. Ein so ein gastronomisches Highlight des ersten Bezirkes ist das Blue Mustard. Nein, blauen Senf kriegt man dort nicht, blau ist es drinnen aber allemal.
Nun aber von vorne (und gleich mal vorweg… die Lesezeit dieses Artikels beträgt mehr als drei Minuten). Bereits im Sommer letzten Jahres hat das Lokal, das direkt neben dem bekannten Café Hawelka positioniert ist, seine Pforten geöffnet. Das Konzept ist geblieben, das Küchenteam hat gewechselt: nun kochen die beiden Jungköche Anna Haumer und Valentin Gruber-Kalteis gemeinsam. Und zwar nicht nur beruflich.
Im Lokal spielt neben der passenden Cocktailbegleitung zu jeder Speise auch die Beleuchtung eine tragende Rolle, das fällt sofort auf. War doch der Inhaber Vahé Hovaguimian – ein vielbereister Kosmopolit mit armenischen Wurzeln – einst Lichtdesigner, bevor er sich dazu entschloss seinen Kindheitstraum zu verwirklichen und Gastronom zu werden. Dieses Lichtdesign-Konzept inkludiert einen riesengroßen beleuchteten Stadtplan an den Wänden sowie ein illuminierter „iron curtain“ (was soviel heißt wie: eine schicke Barwand, aufwändig zusammengesetzt aus vielen rostigen Eisenteilen) im Kirchenfenster-Look wie … ja, dem Stephansdom natürlich. Schaut extravagant und urban aus. Die grüne Wand mit echtem Moos wirkt da fast schon rustikal dagegen. Über Geschmack lässt sich aber bekanntlich streiten. Und sogar auf der Homepage steht „We are different“. Ist in Ordnung.

Viel viel mehr als nur „in Ordnung“ ist aber das Essen im Blue Mustard. Und jetzt geht’s los: eingebettet in poppiger Swing-Musik, Billie Holiday und Parov Stelar erfreu ich mich über ein paar Gerichte, die alle nach gewissen Städten benannt sind. Und da hier keine klassische Österreichische Küche serviert wird, sondern auf Internationales gesetzt wird, heißen die Speisen auch nicht Gramatneusiedl, Hallstatt oder Knittelfeld. Vielmehr geht es zum Beispiel um Metropolen wie „Moskau“: gebeizte Forelle mit Rote-Rüben-Tartar, Dillcreme und knusprigem Buchweizen. Dann noch direkt am Tisch die mit Dill infusionierte Sauerrahmsauce darüber und voilà, fast bin ich in Russland. Dieser zarte Fisch harmoniert dermaßen gut mit der Dillcreme und der Sauce, dass der Gaumen schon mal jubelt. Der Knusper-Buchweizen ist da nur das geniale Tüpfelchen auf dem i. Dazu serviert mir der nette und unglaublich kompetente Barmann Sebastian einen kleinen Cocktail namens „From dusk dill dawn“. Na? Haben Sie´s? Das war jetzt nämlich kein Tippfehler. Und die Garnitur bestand auch aus Dille. Phänomenal genial.

„Moskau“

Weiter ging´s mit was Amerikanischem: eine Verschmelzung aus ofengeschmortem Muskatkürbis, Sanddorn, Erdnussbutter, einer Sauce aus Pumpkin Pie Spice und Erdnussbutter-Knusperchips steht da plötzlich vor mir auf dem Tisch. Erraten Sie´s? „Boston“ wird´s genannt. Alle Komponenten treffen genau meinen Geschmack, ich liebe Kürbis und ich liebe Erdnussbutter! Was soll ich noch sagen… cremig, fruchtig, erdnussig, einfach geil. Ich bin ja nicht so der Freund von zu vielen Anglizismen, muss aber zugeben, dass es manchmal einfach besser klingt als auf Deutsch. Und wenns dann auch noch so perfekt passt wie hier (wegen dem Ami-Namen): Foodporn war das, jawohl! Natürlich… gehaltvoll ist das Gericht schon. Aber was Gegenteiliges erwartet man von „Boston“ auch nicht, hab ich Recht? Zwecks perfektem „Pairing“ krieg ich dazu einen Cocktail, der in einem bauchigen Porzellanbecher daherkommt, der ausschaut wie die Venus von Willendorf ohne Kopf. „The grand old lady“ besteht aus Calvados, Haselnussvodka, Zitrone und Granatapfel.

„Boston“

Nächster Test, „Gujarat“ – benannt nach einer westindischen Stadt. Hier geht’s um Linsen, eingelegte Karotten, Cashewkerne und das typische Garam Marsala Gewürz. Auch mit Sauce, die vom Servicepersonal vor meinen Augen drüber gegossen wird. Exotisch, erdig, gut. Hat mich jetzt aber nicht so sehr vom Hocker g´haut wie der Kurztrip nach Russland und in die USA.
Und jetzt doch ein Ort in Österreich: „Zwettl“ überzeugt mit einer Scheibe würziger Blunz´n, darauf Crème von der Asperl (Kernobstgewächse), Spitzkraut und geschäumter Stosuppe. Normalerweise bin ich kein Blutwurst-Fan, doch dieses Gericht war stimmig. Cremig, gut gewürzt, vielleicht ein bisschen zu schwer.
Schließlich kommen wir zu den beiden Hauptspeisen-Kostproben: „Frankfurt“ zeigt sich fischig, mit gebratenem Kabeljau, Ei, cremigem Kartoffel-Mischmasch und der typischen grünen Frankfurter Kräutersauce. Feine Sache, überhaupt nix zu meckern.

„Frankfurt“

Zu guter Letzt geht die kulinarische Vorspeisen-Reise in den Norden: „Stockholm“ besteht aus auf den Punkt perfekt gebratenem rosa Rehrücken, dazu glasierte Kohlrübe, rote Rübe, Preiselbeere, Hafer-Leinsamen-Soufflé und „knusprigem Wald“, sprich Moos-Deko zum Essen. Dieses Fleisch, so saftig und so zart, dass es förmlich auf der Zunge schmilzt. Einfach nur wow. Dazu der fabelhafte waldige „Forest, Forest Gump“-Cocktail (nein, auch wieder: kein Tippfehler).

„Stockholm“

Und dann? Ich trau´s mir fast nicht zu schreiben. Doch es ist wahr: danach gab´s auch noch eine Dessert-Variation aus Glühwein-Eis mit Spekulatius-Crumble, Schokomousse mit Bratapfel und Zimtmandeln, einen Lebkuchen Auflauf mit Eierlikör-Schaum sowie eingelegten Punsch-Orangen mit Maronicrème. Na bumm. Das Mousse fand ich etwas zu süß, das Eis hatte den idealen Glühweingeschmack weil nicht zu stark, den Auflauf fand ich nicht so überzeugend weil etwas langweilig, doch die Punsch-Orangen, die waren mein Favorit. Ein schöner „Spaziergang über den Wiener Christkindlmarkt“ soll das sein. Ja, ist meiner Meinung nach echt gelungen.

„Wiener Christkindlmarkt“

Die Straßenküche aus dem großen, gelben Foodtruck, der im Eingangsbereich – hin zur Dorotheergasse – steht, die wird auch noch getestet, verspricht aber mit den asiatischen Baos (gedämpfte Teigtaschen), ein paar Suppen und Salaten schon mal recht viel.
Zu den Preisen noch ein paar Worte: günstig sind die nicht unbedingt. Doch wer in dieser Gegend billig essen will, geht ohnehin zum Pizza Bizi oder zum Sushi-Schnellwirt. Vorspeisen kosten zwischen zwölf und 16 Euro, Hauptspeisen zwischen 20 und 36 Euro. Dafür hat man höchste Qualität ohne Kompromisse am hübschen Teller vor sich und satt wird man auch.
Jeden Samstag gibt’s soulige und jazzige Live-Musik, ab und zu heißere Rhythmen, zB aus Brasilien.

Mein Fazit:
Grandios. Die Atmosphäre ist angenehm, der Service sehr gut informiert, die Musik passt und das Essen und Trinken ist sowieso top. Und: Das Duo an der Küchenspitze ist zwar verliebt, die Speisen aber nicht versalzen. Bravo!

Blue Mustard
Dorotheergasse 6-8
1010 Wien
Tel. 01/934 67 05
www.bluemustard.at
Geöffnet: Dienstag bis Donnerstag 17:00 bis 02:00, Freitag & Samstag 17:00 bis 04:00
Sonntag und Montag geschlossen
Foodtruck: Montag bis Freitag 11:00 bis 17:00

 

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1 Kommentar zu Blue Mustard – der Name ist Programm

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