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Lunch im Jamie’s Italian: Ein Restaurant für alle Leute?

(c) Zsolt Batar

Seit knapp einem Monat ist das Jamie’s Italian am Stubentor offen und damit Jamie Olivers italienisches Essen im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Mittlerweile 80 Niederlassungen weltweit zählt das Lokalkonzept, das der britische Starkoch Oliver und der Italiener Gennaro Contaldo 2008 ins Leben riefen. Betrieben werden diese von Franchisenehmern. Mit Wien ist man nun auch im deutschsprachigen Raum vertreten. Zuständig für Österreich, Ungarn und die Schweiz ist der ungarische Gastronom Roy Zsidai.

(c) Zsolt Batar

In den ersten Wochen bekam der Wiener Standort in Service und Küche Unterstützung des Jamie’s Italian in Budapest, das letztes Jahr eröffnete. Jamie Oliver steht natürlich nicht selbst im Lokal. Von ihm sind die Rezepte. Ausgeführt werden sie vom Team rund um Küchenchef David Svarc (vormals Tian im 7. Bezirk). Um den Angestellten ein paar Wochen Einarbeitungszeit zu geben, machten wir uns schließlich in der vergangenen Woche auf, um im kleinen Grüppchen zum Lunch die Speisen zu kosten.

(c) Zsolt Batar

Um 12:30 Uhr betreten wir das Lokal. Wir sind neugierig, ob wir zu Mittag einen Platz bekommen. Es ist sehr gut besucht, das Publikum reicht von Jung bis Alt, Wiener und Touristen. Eine bunte Melange, der Lautstärkepegel entsprechend hoch. Aber das stört nicht, Essen soll ja etwas Gemeinschaftliches und Fröhliches sein. Tatsächlich bekommen wir einen Tisch im oberen Bereich des Lokals. Eine Bar im Eingangsbereich, einige große Schinken im Bereich der Küche, auffallende Beleuchtungskörper, grüne und rote Bezüge und Holz. Man soll sich wohlfühlen, man will ein Restaurant für alle Menschen sein. Ob Dinner, Lunch oder zwischendurch, hier soll jeder gerne einkehren. Die Tatsache, dass nur ein Drittel der Plätze zur Reservierung vergeben werden, geht auf jeden Fall in diese Richtung. Aber sind auch die Speisen und Preise dahingehend gestaltet?

Pizza, Pasta, Fritto Misto und Pavlova

Fritto Misto (c) Michaela Reisel

Ganz oben auf der bunten Speisekarte entdecken wir in kleinen Lettern einen Satz, der ob Anführungsstrichen und geschwungenem Schriftzug Jamie als Zitat des großen Meisters aufgefasst werden soll: „Hier dreht sich alles um erstklassige Zutaten und unkomplizierte italienische Hausmannskost, die glücklich macht.“ Wir sind gespannt und ordern zur Vorspeise die Antipasti-Platte (u. a. Prosciutto, Mini Büffel Mozzarella, Pecorino und Chili Marmelade, Oliven und Rotkraut Slaw), Nachos mit Salsa Sauce, Fritto Misto (gemischte, kurz frittierte Meeresfrüchte) mit Sauce Tartare und Chili-Knoblauch-Garnelen. Die laut Karte knusprigen italienischen Nachos entsprechen nicht dem, was wir unter Nachos verstehen, sondern eher an gefüllte Teigtaschen. Als Favorit kristallisieren sich ganz klar die Fritto Misto heraus. Wirklich gut!

(c) Michaela Reisel

Elf verschiedene Pastagerichte – allesamt mit hausgemachter Pasta – offenbart die Karte, alle preislich zwischen 12,85 € – 17,95 €. Wir entscheiden uns für Spaghetti Nero mit Tintenfisch und Muscheln, Linguine mit Garnelen, die Sauce kräftig im Geschmack dank einer Basis aus Bouillabaisse, und Tagliatelle Bolognese. Bedeckt ist letztere mit typisch italienischen Semmelbröseln, worauf uns der Kellner hinweist. Nicht gerade ein günstiges Vergnügen, aber definitiv sehr g’schmackig. Auch das Lammkotelett schmeckt ausgezeichnet.

Und die Pizza? Sechs Teigfladen stehen auf der Karte, mit Preisen zwischen 14.25 € – 15,60 € recht hoch angesiedelt. Wir probieren The Parma (Tomatenbasis, Prosciutto, Rucola, Mozzarella) und Funghi Misti (Waldpilze, geräucherter Mozzarella, Cheddar, Kräuter der Saison). Die Pizza mit den Pilzen und dem geräucherten Mozzarella kommt als sogenannte weiße Pizza ohne Tomatensauce aus und ist eine Offenbarung. Aber preislich halt auch hier, leider zu hoch.

Der Vollständigkeit halber lassen wir auch die Desserts nicht aus. Aus Gusto, nicht aus Hunger. Unsere Portionen waren üppig und wir sind voll bis obenhin. Der abschließende Espresso ist stark, so wie ich ihn mag. Mit Himbeer Pavlova, Grießkuchen, Cheesecake und Schokobrownie fährt man hier die internationale Schiene.

Wein haben wir ausgelassen, weil uns der Weg nach der ausgedehnten Mittagspause wieder zurück ins Büro führte. Die Preise für ein Achtel bewegen sich zwischen 5,20 € – 12,90 €.

Fazit:

(c) Michaela Reisel

Das Essen überzeugt, nicht nur die Qualität ist top, es wird auch schnell serviert. Wenn bei der nächsten Speisekarte im Frühjahr auch noch die Preise abgepasst werden, durchaus eine Empfehlung für einen entspannten Lunch, Dinner, schnellen Snack zwischendurch. Aber da der Name Jamie Oliver ein großer ist und das Lokal sehr gut besucht (Stichwort Touristen), wird sich zeigen, ob der Franchisenehmer einen Anlass sieht, die Preise nach unten zu schrauben. Wenn das Lokal eh voll ist. Im Pressetext Mitte des Jahres war zu lesen, „Jamie Oliver tritt mit seinen Jamie’s Italian Restaurants weltweit den Beweis an, dass gesunde Küche auch leistbar sein kann. Die Anforderungen an Zutaten und Lieferanten sind hoch – die Preise moderat. Jamie’s Italian Restaurants sollen für jedermann zugänglich sein.“ Dass nur 30 Prozent der verfügbaren Plätze reservierbar sind, passt zu diesem Konzept, die Preise tun es leider (noch) nicht.

 

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