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Mercado Neu: Bunt, wild, köstlich!

Mercado (c) Michaela Landbauer

Seit Anfang September präsentiert sich Klaus Pibers lateinamerikanisches Restaurant Mercado am Stubenring mit veränderter Küchenlinie. Gekocht wird nun im Stil der Nikkei-Küche. Zu Preisen, die wahrlich kein Grund sein können, sich die neue Speisekarte nicht rauf und runter schmecken zu lassen. Piber vollzog die Veränderung, um ein breiteres Klientel anzusprechen. Das Mercado als Ort zum Wohlfühlen und des ungezwungenen Genusses.

Nikkei von Javier

Die Nikkei-Küche ist eine Fusion aus peruanisch-japanischen Elementen. Der Fokus im Mercado liegt mehr auf Ersterem, ist der neue Küchenchef Javier Vera Alarcon doch gebürtiger Peruaner. Er studierte erst Industrial Engineering, bevor die Leidenschaft für das Kochen überwog und er sich voll und ganz der Kulinarik verschrieb. In seiner Heimat kochte er bereits im Maido, einer der bedeutendsten Nikkei-Adressen weltweit und Nummer Acht der „World’s 50 best Restaurants“. Zwei Jahre lang betrieb Javier in Lima sein eigenes Restaurant. Schloss außerdem in Paris höchst erfolgreich die Culinary School Le Cordon Bleu ab. In Wien arbeitete er bei Mraz & Sohn, war zudem mit einem Foodtruck unterwegs. Nun setzt der Lateinamerikaner Können und Kreativität im Mercado um.

Gemeinsam genießen

Die Karte ist bewusst klein gehalten und wechselt regelmäßig. Gekocht wird mit marktfrischen Produkten. Welchen Fisch es heute gibt? Kommt darauf an, was der Lieferant Tolles bereithält.

Um sich einen Überblick über die neuen Nikkei-Speisen zu verschaffen, probiert man sich am besten einmal quer durch. Weil alleine essen aber oft nur halb so viel Spaß macht, eine Handvoll Leute um den Tisch versammelt und losgeschlemmt. Die Speisekarte sieht vor, mehrere Gerichte in die Mitte des Tisches zu bestellen. Anderorts ganz normal, in Wien oft noch nicht so. Man mag sein Essen halt gern für sich allein. Wer mit seiner Gabel zu nahe kommt, dem gnade der Allmächtige. Aber wer auf das Erlebnis des gemeinschaftlichen Genusses verzichtet, der kann erstens weniger vom neuen Speisensortiment genießen und ist zweitens selber schuld.

Einmal (fast) alles, bitte

Kosten wir uns also durch die Karte, beschlossene Sache. Zu Beginn ein Duett von Maki. Das schon ein Genuss für Gaumen und Auge gleichermaßen. Getoppt mit Anticucho-Sauce, darüber noch knusprige Fäden von Kartoffel und Süßkartoffel. Spannender Einstieg, mit einem Bissen unterschiedliche Texturen zu schmecken. Aber nur nicht zu viel davon, wir haben ja noch viel vor.

Weiter ging’s mit zweierlei Nigiri. Zum Einen Lachs, smoky Chilisauce, Chalaca. Das schon mal super, aber die zweite Variante setzt für mich noch eins drauf. Man höre sich das an: hauchzarte Short Ribs, Soja-Ingwer-Jus, Wachtelei, Chalaca. Das Rindfleisch so aromatisch, dass es eine Freude ist. Das Mini-Spiegelei ein weiteres Mini-Highlight.

Dann Ceviche, hier der Favorit: Street Food Style. Das kommt mit Fisch des Tages daher, Süßkartoffel, Kalamari, Koriander, knusprigem Mais. Aber auch die vegane Ceviche mit Topinambur, Tofu, Pilzen und Süßkartoffel schmeckt.

Unter Soul Food fallen all jene Speisen, die – so steht es in der Karte – die Seele berühren. Das ist nicht zu viel versprochen, denn wenn selbst Tage nach dem Verzehr das eine oder andere Gericht aus dieser Kategorie vor dem geistigen Auge aufpoppt, heißt das doch was. Die Speisen, um die es geht, tragen klingende Namen wie Arroz con Pato (Entenkeule, Spiegelei, Kürbis-Miso-Sauce, grüner Reis), Estofado de un nikkei limeno (24 Stunden geschmortes Rindfleisch, Soja-Tomaten-Chili Reduktion, Shiitake, Nikkei fried rice) und zu guter Letzt: The Melanzani (Rote Miso-Chili Glasur, Oliven-Chimichurri, Kartoffelpüree). Das über Stunden geschmorte Rindfleisch zergeht auf der Zunge, toll! Dass Nikkei aber auch hervorragend vegetarisch geht, zeigt das Melanzani-Gericht. Eierfrucht kann ja, wenn sie nicht gut zubereitet ist, schnell einmal fad schmecken. Davon ist diese hier aber meilenweit entfernt!

Eh schon pappsatt, aber neugierig auf die Nachspeise, machen wir uns über das Süße her. Es gibt Eis von Avocado, Dulce de leche und Pfefferminz-Schoko. Letztes erinnert zu meiner Freude an After Eight! Matcha- und Schokoganachekuchen mit halbierten, kandierten Kumquats schmecken auch großartig. Jetzt ist aber genug. Wir sind bis oben angefüllt und äußerst zufrieden.

Das Mercado ist der neue Treffpunkt für alle, die Nikkei-Küche kosten möchten. Ein Tipp: Pica Pica bestellen und eine Variation der Speisen erhalten für den kleinen Hunger oder, so wie wir, zu mehrt kommen und in die Mitte des Tisches bestellen. Zahlt sich aus. Und was man beim ersten Besuch nicht schafft, probiert man beim nächsten Mal. Wir sind wild auf Nikkei, wir kommen wieder!

 

Fotos: Michaela Landbauer

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