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Ich mache AMS

(c) iStock AndreyPopov (c) iStock AndreyPopov

Von Peter Dobcak

Hätte der Gesetzgeber nur ein wenig mehr Ahnung von Organisationslehre, so wüsste er, dass ein System Veränderung nur bis zu einem gewissen Punkt verträgt. Wird die Organisation durch aufgezwungene wechselnde Rahmenbedingungen zu oft oder zu radikal verändert bricht sie zusammen bzw. ist über lange Zeit so mit sich selbst beschäftigt, dass sie wirtschaftlich nichts mehr zum Ergebnis beiträgt. Solche Krisenzeiten entblößen auch gnadenlos jahrelange Managementfehler, die dem Unternehmen dann oft den Rest geben.

Trotz aller Managementfehler in vielen Betrieben trägt für mich die Hauptverantwortung für die jetzige Misere eindeutig der Gesetzgeber. Jahrzehntelang wurde dem Wildwuchs in alle Richtungen zugesehen. Profitiert haben alle davon, die Unternehmer, die Mitarbeiter, die Banken uns vor allem die Wirtschaft. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, konsumiert, die Kinder studieren lassen, aber auch Reserven angelegt. Was macht der Gesetzgeber? Er fährt mit einer Fülle von radikalen Einschnitten wie mit dem Schwert hinein und ermordet Freund wie Feind. Das Resultat bekommen wir nun serviert, denn so rasch können sich viele Betriebe nicht auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Auf der einen Seite werden die Schrauben immer fester angezogen, auf der anderen Seite erfolgt keinerlei nennenswerte Entlastung. Das kann sich für die Betriebe auf Dauer betriebswirtschaftlich nicht ausgehen. Sollte der Staat die vielen zerstörten Existenzen als Kollateralschaden hinnehmen, so ist das die gründlichste wirtschaftliche Flurbereinigung die ich je erlebt habe.

Vielleicht einmal notwendig, kann sein, doch sozial und vor allem klug ist diese Vorgehensweise nicht. Zuerst die Betriebe unter dem Credo der absoluten Transparenz oder sonstigen Rechtfertigungen in den Ruin treiben und sich danach wundern warum die Sozialausgaben so steigen, ist schon befremdlich. Die zusätzlichen Steuereinnahmen aus der Registrierkasse mögen 2017 erfreulich hoch werden, aber ich bin schon sehr gespannt, wie das Ergebnis in den Folgejahren aussehen wird. Einen guten Anteil der Klein- und Mittelbetriebe wird es dann nämlich nicht mehr geben.

Die Strategie, die steigenden Lebenserhaltungskosten durch höhere Unterstützungsleistungen für Menschen ohne Arbeit abfangen zu wollen ist deshalb nicht weiter finanzierbar, weil das Lohnniveau nicht mitgehalten hat. Mit der Zeit ist die Spanne zwischen finanzieller sozialer Unterstützung und dem Einkommen, das durch Arbeit erwirtschaftet werden kann, zu gering geworden. Dadurch fehlt für zu viele Menschen der Anreiz einer geregelten Beschäftigung nachzugehen. „Ich mache AMS!“ hören wir landauf und landab. Da hilft auch der ewige Ruf der Gewerkschaft nach Lohnanpassung nicht, denn viele Unternehmer können sich höhere Löhne einfach nicht leisten. Die Mitarbeiter, besonders in anstrengenden Berufen wie der Gastronomie, sind seit Jahren daran gewöhnt ein paar Hunderter extra dazuzubekommen. Deshalb nimmt ein Koch auch die starke Belastung seines Berufes in Kauf. Das ist nun nicht mehr möglich. Die Folge sind hunderte offene Stellen, tausende Arbeitslose mehr, frustrierte Wirte und noch mehr geschlossene Betriebe. Eine gewisse Marktbereinigung ist, wie gesagt, gut und notwendig. Wenn diese allerdings vom Staat forciert wird, sollte sich der Gesetzgeber vorher überlegen, wie die betroffenen Menschen weiterhin im Arbeitsprozess gehalten werden können. An dem millionenschweren Geschäft mit Umschulungen verdienen sich einige Firmen eine goldene Nase. Für viele Arbeitssuchende sind diese Maßnahmen allerdings völlig sinnlos.

Euer

Peter Dobcak

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