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Klein Steiermark – es gibt sie noch die guten, alten Zeiten

Thomas Hofmann testet Klein Steiermark Thomas Hofmann testet Klein Steiermark

Kennen Sie den Schweizer Garten? Ich kannte ihn jedenfalls nicht bis ich vor wenigen Tagen das Restaurant „Klein Steiermark“ besuchte. Aus Zeitgründen machte ich mich diesmal nicht vorher schlau wie sonst üblich. Umso größer war die Überraschung, nach dem ich den Hauptbahnhof und den Verkehrsdichten Landstraßer Gürtel hinter mir gelassen hatte, auf einen englischen Landschaftsgarten zu stoßen, der von der Bevölkerung als grüne Oase vielfältig genutzt wird. Eines der vielen Erbstücke der Habsburger wie ich inzwischen erfahren habe. Und mitten drin die Gastwirtschaft „Klein Steiermark“. Ein nicht sehr großes Haus, denkmalgeschützt, innen urig gemütlich, inmitten eines sehr großen, schattigen Gartens mit alten Bäumen.

Die Zuschreibung „familienfreundlich“ war doch irgendwie bei mir gelandet, und ich hatte spontan, auch wegen des Schönwetters, beschlossen meine Frau und meine zwei kleinen Kinder in das Test-Setting miteinzubeziehen.

Das erste wichtige Kriterium für Leute mit Kindern – ein Parkplatz mit Kapazität- wurde erfüllt, dafür ist der Nachmittag allerdings immer eine gute Zeit. Das nächste Merkmal wurde von meinem Sohn sofort entdeckt – ein Spielplatz direkt gegenüber, den er sogleich begutachtete und für super befand. Auch die Grill-Speisekarte, ausgestattet mit Speisenfotos, eine Eigenart, die ich billigen Touristenlokalen südlicher Länder zuordne – hier sind die Fotos jedoch gut gemacht und damit charmant (ich mache gerade Food-fotos für mein neues Buch und weiß wie heikel das ist) – ist kinderfreundlich, v.a. wenn die Kleinen noch nicht lesen können.

Der Charme des Gastgartens, der so groß ist, dass ganze Teile abgesperrt waren, wird durch den in der Mitte befindlichen Grillpavillon stark geprägt. Er verbreitete bereits am Nachmittag seinen aromatischen, Appetit anregenden Duft von Holzrauch.

Um es vorwegzunehmen, den „Steirer Burger“ (14,20€) vom Grill erküre ich zu meinem absoluten Favoriten! Hier ist alles hausgemacht von den Soßen über den cremigen Coleslow bis zum leckeren, traumhaft flaumigen Brioche-Spezialbrot mit Kürbiskernen, das auf Bestellung vom Bäcker hergestellt wird. In Verbindung mit dem Geschmack von Flamme beim Fleisch und dem rauchigen Speck einfach ein gelungener Hochgenuss.

Die Speisekarte vereint die Wiener Küche mit den Spezialitäten der Steiermark. Und nur ab und zu meine ich, dass es vielleicht doch nicht hausgemacht wäre. Dann hat der Chefkoch groß aufgekocht und wir haben geschlemmt:

Beef Tartare vom Bio Weiderind (12,50€) mit getoastetem Weißbrot, Ajvar und Butter, herrlich und ungewöhnlich würzig abgeschmeckt.

Gänseleber auf Apfelscheiben (€15,80) ungewöhnlich für die Jahreszeit, sehr schön gebraten, beim Jus sehe ich noch Luft nach oben.

Zwiebelrostbraten vom Bio Almochsen (17,60€) gut gebraten, Röstzwiebel selbst gemacht, Bratkartoffel in Schale gebraten und wie ich fürchte frittiert. Und wirklich üppige Portionen!

Tafelspitz vom Weiderind (19,90€) in der Suppe serviert, nicht überwürzt, mit angenehm mildem, grob geschnittenem Gemüse – insbesondere der Stangensellerie machte sich positiv bemerkbar, Rösti mit ganzem Kümmel – ungewohnt und schmackhaft. Die Schnittlauchsoße zwar selbst gemacht, geht aber sicher noch ein bisschen besser.

Hausgemachter Topfenstrudel (4,20€) einfach dekoriert und einfach gut.

Mit der Weinkarte habe ich mich nur am Rande beschäftigt, schließlich war es ein Familienausflug und so blieben wir bei Wasser und Limonade. Gereizt hätte mich der Gelbe Muskateller (3,90€/ 1/8l), der einzige steirische Wein auf der Karte, allerdings schon ein wenig.

Trotz ungewöhnlich früher Stunde war das Lokal gut besucht und langsam füllte es sich weiter mit Abend-Gästen. Das Publikum ist nicht einheitlich, Männer die offensichtlich nur zum Trinken gekommen sind mischen sich mit den sogenannten besseren Leuten, die auch deutlich in der Mehrheit sind. Gemeinsam ist allen aber der Wohlstandsbauch.

Meine Family ist glücklich und der Küchenchef ist vermutlich auch glücklich und hat sicher gestaunt, weil wir nur leere Teller zurückgeschickt haben. Was er nicht weiß, ist, dass meine Frau noch stillt und beachtliche Mengen, sozusagen „für zwei“ bewältigt. Ein durch und durch gelungener Nachmittag für die ganze Familie, und wir beschließen beim nächsten Mal auch meine Mutter mitzunehmen.

Fazit: Eine Perle der volkstümlichen Tradition in einer grünen Oase neben dem Hauptbahnhof. Die Küche im Wirtshausstil, der zurecht viele Liebhaber hat, ergänzt um die Grill-Köstlichkeiten aus dem Pavillon. Alles für die ganze Familie glücksspendend, Vorsicht nur bei der Besuchs-Frequenz – wir dürfen den Wunsch nach der schlanken Linie nicht aus den Augen verlieren.

Gastwirtschaft „Klein Steiermark “im Schweizergarten

1030 Wien Heeresmuseumstraße 1
Tel.: +43 (0)1 799 58 83

Mo-So: 11:30 bis 23:00; Küche bis 21:00

Grill bei Schönwetter:

Montag – Freitag ab 16.00 Uhr,

Samstag, Sonn- u. Feiertag ab 12.00 Uhr
gastwirtschaft@kleinsteiermark.wien

www.kleinsteiermark.wien

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