Von Fußball zu Cevapcici

Andrea Wieger

Bosnische Küche ist – das trau ich mich jetzt behaupten – eine Küche, die an sehr vielen Ecken dieser Stadt nicht so richtig funktioniert. Doch dort, wo sie gut ankommt, sprießen die Grill-Buden nur so aus dem Boden. Eine neben der anderen findet man beispielsweise auf der Äußeren Mahü, nahe dem Westbahnhof. So auch das im heurigen Jänner eröffnete „Merak“. Mirnel Sadovic, aus Sarajevo stammend und ehemaliger Fußballprofi, machte dort gemeinsam mit seinem Vater ein Lokal auf, das angeblich die „besten Cevapcici Wiens“ verkauft.

Schick ist es ja schon, das Merak: die graue Schank aus Beton, die schwarzen Hochglanz-Fliesen in der offenen Küche, die obligatorischen Designlampen, die an Riesenspinnen erinnern, viel Holz, die dunkle Ziegelwand und ein hübsch gemusterter Fliesenboden. Dazu noch der interessant ausgeschnittene Kelim-Teppich an der Wand und serbische Musik aus den Boxen – stimmig ist das schon.

Ebenso die Speisekarte ist stimmig. Vielleicht, weil sie nicht immens viel Auswahl bietet und recht fleischlastig ist. Vegetarier haben hier also eher wenig zu suchen. Bosnische Fastfood-Grillspezialitäten sollen es sein. Fastfood deswegen, weil Cevapcici nur wenige Minuten nach der Bestellung serviert werden können, also wirklich “fast“. Um das gesamte Angebot zu testen, bestellen wir die Grillplatte für zwei Personen (€ 19,90). Darauf gibt’s Hühnerspieße, Pljeskavicas (faschiertes Fleisch in Schnitzelform), Bratwürstel und natürlich Cevapcici – wegen denen sind wir am allerneugierigsten. Diese Kalbfleischbröckerl werden mit Gewürzen mariniert und ziehen angeblich 24 Stunden lang durch, bevor sie gebraten werden. Nur: womit werden sie mariniert? Das kann mein Gaumen nicht so recht erkennen. Ich muss schon sagen: etwas fad. Ebenso der Rest der Fleischplatte. Da fehlt irgendwie der Biss. Vielleicht wär doch das mit Cevapcici gefüllte Brot die bessere Wahl gewesen? Von den Beilagen war das hausgemachte Fladenbrot am besten, das schmeckt gut und ist schön flaumig. Der Krautsalat hingegen ist viel zu mild, nicht sehr raffiniert. Die Bratkartoffeln sind in Ordnung, obwohl sie aus der Fritteuse kommen und somit keine richtigen Bratkartoffeln mehr sind. Für mich alles nur das Tüpfelchen am “I“, doch das Fleisch ist irgendwie nichtssagend. Weder knusprig noch würzig, weder optisch ansprechend noch rauchig im Geschmack, irgendwie lieblos, diese einfärbige Grillplatte. Hmm…vermutlich waren die Erwartungen doch zu hoch, vom angeblich besten bosnischen Nationalgericht, was man in Wien kriegen kann.

 

Mein Fazit:

Gehobenere Grillbude. Kann man probieren, muss man aber nicht. “ Jo, eh“… oder so. Viel mehr Begeisterung ist vom Merak-Team vor Ort nämlich auch nicht zu spüren.

 

Merak

Mariahilfer Straße 139

1150 Wien

Tel. 0676/ 57 26 450

Geöffnet: Montag bis Sonntag von 11 bis 22 Uhr