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Five Senses – mit allen Sinnen

Der unscheinbare Eingang ins Restaurant erklärt sich schnell von selbst. Beim Betreten ist sofort erkennbar, dass sich der Hotelstil, alles modern und in hellen Farben, angereichert mit teils erstaunlichen Deko-Elementen, im Restaurant widerspiegelt. Das Restaurant, verbunden mit dem modernen Vier Stern Hotel mit historischer Fassade in der Aspernbrückengasse 1 um die Ecke, ist auch von außen über die Praterstraße 20 begehbar. Der eigene, straßenseitige Eingang ist oft entscheidend, damit sich auch externe Gäste hineinwagen. Die Österreicher sind bekanntlich, ganz im Gegensatz zu Restaurantbesuchern in anderen Ländern, Hotelrestaurants gegenüber traditionell zurückhaltend

Der Name „Five Senses“ ist gelungen. Neben den optischen Herausforderungen des Einrichtungsstils werden appetitanregende Gerüche sanft über die Klimaanlage eingespeist und leise Hintergrundmusik umfängt mich. In diesem Namen ist die Einsicht verankert, dass alle unsere fünf Sinne beim Essen eine große Rolle spielen. Die Frage der Musikberieselung entzweit die Geister, wobei meine Option als Genießer auf jeden Fall die Stille ist.

Der Restaurantmanager Markus Ritter garantiert Wohlbefinden und beste Betreuung seiner Gäste, unauffällig und erfolgreich hat er das gesamte Geschehen im Blick. Sein durchwegs junges Personal agiert bemüht und professionell.

Die Speisekarte bietet neben den Wiener Traditionsgerichten, Angebote aus der Crossover Küche, die reizvolle Kreationen im Spannungsfeld klassisch-mediterran-asiatisch bietet. Meine Lieblingsküche sozusagen! Weiters finden sich diverse saisonal wechselnde Menüs. Meine Wahl fiel auf das viergängige „Bärlauch-Menü“ (31,90 €).

Der „Magic Cube“ leitet das Menü ein. Ein kleiner Wunderwürfel, wie aus der Spielzeugkiste, wird, serviert auf einem kleinen Teller, vom Kellner mit aromatisiertem Wasser übergossen und wandelt sich so in ein Tuch zum Händewaschen. Der Duft variiert saisonal, zurzeit ist zu meiner Freude Zitrone im Einsatz.

Das Amuse-Gueule (auch Amuse-Bouche) kam zu meiner Freude im kleinen Weckglas, ein Serviertrend, den ich in meinem neuesten Buch verwende. Ziegenkäse und Rote- Rüben- Relish gekonnt drapiert ergibt ein Farbenspiel mit tollem Effekt, sehr bemüht serviert mit warmem, knusprigem Brot und rot eingefärbter, schaumig gerührter Butter auf Extratellerchen.

Die Bärlauchsuppe war von unverfälschtem, natürlichem Aroma, wo absolut nichts nachzuwürzen war und mit einer Einlage von Tramezzini, die sich als sehr angenehm herausstellte. Alles, was man bei einer Bärlauchsuppe falsch machen kann, nämlich den Grundgeschmack des Bärlauchs durch übertriebenen Einsatz von Gewürzen oder Obers zu verfälschen, hat der Koch zu meiner Freude nicht getan.

Das Verspeisen des Hauptgerichts, ein Maishuhn von fühlbar guter Qualität wie alle Grundprodukte hier und in sehr schöner Optik präsentiert, war wegen des hohen Tellerrandes etwas schwierig zu handhaben. Man wird so zum „richtigen Essen á la Elmayer“ sanft gezwungen. Aber wie schon gesagt: alles von schöner Optik!

Die Auswahl hochwertiger Gewürze und verschiedener Salze in kleinen, weißen Porzellanschälchen am Tisch erwies sich speziell beim Huhn als genial. Den Kawumm-Effekt bekam das Huhn schließlich durch den von mir eingesetzten bengalischen Orangenpfeffer.

Der berühmte „Wiener Spritzer“ (7,50 €) mit Zutaten aus Wiener Kellereien hat mich begeistert. Das Getränk hat Potential zum Verlieben und zum Kultgetränk – wenn es nicht schon eines ist. Ein weiterer Vorteil- der Preis verleitet zu maßvollem Genuss! Ansonsten gute Auswahl österreichischer Weine.

Als Abschluss und Höhepunkt wie so gerne ein Schokoladesoufflé, an dem sich die Kunst des Kochs beweisen lässt, aber entscheidend ist auch hier die Qualität der Schokolade, die mich überzeugt hat. Die Luftigkeit kommt vom Cous Cous und die angenehme Textur durch Granatapfelkerne. Dazu passend ein Granatapfel Sorbet, das ganz dezent einen gelungenen Ausgleich zum Schokoladegeschmack bietet.

Thomas Navratil, der Chef-Koch, der als sehr ernährungsbewusst und sportlich beschrieben wird, legt Wert auf beste Qualität und berücksichtigt diese Überzeugung auch bei der Planung seiner Menüs, die ausnahmslos aus frischen Produkten hergestellt werden. No conviniences ist hier das Motto der Küche, in der Hotelgastronomie leider durchaus eine Seltenheit. Auch auf Nachhaltigkeit wird im Haus Wert gelegt und der Einsatz von Kunststoff weitgehend vermieden, ein Umweltsiegel steht in Aussicht.

 

Mein Fazit: Das „Five Senses“ hält was es verspricht. Durch verschiedene verspielte Elemente, die das gesamte Angebot durchziehen, werden alle unsere Sinne gefordert und gefördert. Die Küche bietet von österreichischen Klassikern bis hin zu Gerichten aus der Crossover Küche eine Vielzahl von Angeboten. Dabei ist sie nicht zu verspielt, was als positiv gewertet werden darf. Das Lokal ist nichts für Schnäppchenjäger, aber die Preise sind dem kulinarischen Angebot, dem Ambiente und der Lage durchaus angemessen. Ein Restaurant, das seine Eigenständigkeit gegenüber dem großen Hotel-Bruder behaupten kann.

 

 

Five Senses

Praterstraße 20

1020 Wien

01 903 03 960

www.hackl-gastro.at/five-senses

Küchenzeiten: tägl. 11:30-23:00

 

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