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Weltfrauentag: der Blick in die Gastronomie

Mädchen als Superheldin

Anlässlich des heutigen Weltfrauentags wirft Culinarius einen Blick auf die Rolle der Frau, insbesondere auf jene in der Gastronomie. Man muss sich eingestehen, dass sich die Position der Frau gesamtkontextuell gesehen sowie auch im Gastronomiebereich nur sehr schleppend verändert. Zwar ist die Zahl, der in der Gastronomie beschäftigten Frauen in Österreich laut Wirtschaftskammer im Jänner 2017 sogar höher als die der Männer (64.106 zu 55.634), doch in Führungspositionen sowie in der Spitzengastronomie findet man trotzdem nur selten weibliche Power.

Wieso ist die Spanne immer noch so extrem und warum sind Frauen klischeebedingter Weise zwar für die Küche zuständig, in der gehobenen Gastronomie werden sie dann jedoch von den Männern abgelöst? Culinarius hat sich mit Petra Goetz-Frisch, Lokalinhaberin und Geschäftsführerin des Fischhandels & Imbiss Goldfisch, unterhalten und sie nach ihrer Meinung gefragt. 20 Jahre lang war sie erfolgreich im Bereich Marketing und PR tätig, entschloss sich dann aber den Schritt zu wagen und sich ihren Traum vom eigenen Restaurant zu erfüllen. „Ausschlaggebend war, dass mir mein Beruf nicht mehr so viel Freude bereitet hat. Die Umstände haben sich verändert. Es war keineswegs unerträglich, jedoch nicht mehr erfüllend.“ Bestärkt und beeinflusst wurde sie in dieser Entscheidung allerdings auch von Ehemann Sebastian Slavicek, der bereits aus der Gastronomie kommt und mit seiner Erfahrung als Weinhändler das gemeinsame Projekt optimal ergänzt.

„Man muss mutig sein, sonst passiert nichts im Leben“

Ein schönes Motto, das Selfmade-Gastronomin Petra Goetz-Frisch den Frauen auf ihren Weg mitgeben möchte. „Es muss nicht jeder mit 40 Jahren den Beruf wechseln oder ein eigenes Lokal eröffnen. Aber ein bisschen Mut – für jede Lebenslage – gehört dazu“, erläutert die sympathische Lokalinhaberin bestärkend. Sehr ehrlich erzählt sie, dass die Gastronomie und vor allem die Selbstständigkeit, enorm viel physische aber auch psychische Belastungen mit sich bringt. Aus diesem Grund rät sie jeder und jedem, Unterstützung anzunehmen – sei es vom Partner, der Familie, Freunden oder einem professionellen Netzwerk, „allein kämpfen ist unglaublich schwer“.

Man(n) will den Chef sprechen

Auf die Frage, warum der Frauenanteil in der Gastronomie so gering ist und warum Frauen es seltener wagen, einen solchen lebensverändernden Schritt – wie die Eröffnung eines eigenen Lokals – zu wagen, argumentiert Petra Goetz-Frisch mit bekannten Thematiken. Denn ein entscheidender Faktor ist immer noch die (unmögliche?) Vereinbarung des Berufs mit dem Familienleben – diese Aufgabe spricht man oftmals immer noch dem weiblichen Geschlecht zu. Die Arbeitszeiten in der Gastronomie sind jedoch alles andere als familienfreundlich. Weitere beeinflussende Faktoren für die niedrige Frauenquote in Spitzenpositionen, die von der Inhaberin genannt werden, sind die ständigen Deadlines, der hohe Druck und vor allem das in Stresssituationen oft harsche Miteinander. „Besonders in der Küche herrscht of ein sehr rauer und harter Umgangston, der für Frauen seelisch oft schwerer durchzudrücken ist, als für Männer“. Frauen sollten sich trotzdem nicht von diesen Umständen abschrecken lassen. Petra Goetz-Frisch erzählt, dass in ihrem Lokal ständig jemand ruft „Ich will den Chef sprechen“. Es ist der Standardsatz, auf den hin sie ihre Gäste überraschen kann. Frauen in Spitzenpositionen – ob als Inhaberinnen und Geschäftsführerinnen in der Gastronomie oder anderswo – sollten der Normalfall, nicht die Ausnahme sein!

Fotocredit: iStock Kikovic

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